Macht den Kopf frei: Führungskräftetraining auf einer Berghütte im Alpenraum

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Pareto hilft bei Perfektionismus –
ein Aspekt aus dem Antreiberkonzept nach Eric Berne

Avatar of Sabine Strobel Sabine Strobel - 11. Oktober 2017 - Beratung, Training

Ausbau der Selbstführungs- und Beziehungskompetenz durch das Antreibermodell aus der Transaktionsanalyse 

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt" - dieser preisgekrönte Werbeslogan könnte aus der Psychologie stammen. Denn Antreiber sind unbewusste Ich-Botschaften, die uns sagen, wie man etwas macht und bestimmen unser Leben. Die psychologische Theorie der Transaktionsanalyse (kurz: TA) kann dazu genutzt werden, die fünf Antreiber sichtbar zu machen: 'Sei stark'!, 'Streng dich an!', 'Mach's (anderen) recht!', 'Beeil dich!' und 'Sei perfekt!'. Sie gibt Antworten auf die Fragen: "Was treibt mich als Persönlichkeit an? Welche Historie bringe ich mit?" und  "Wie gehe ich mit meinem Chef, Kollegen und Mitarbeitern und deren individuellen Antreibern um?"

Die Theorie der Antreiber

Das Antreiberkonzept kann ganz praktisch zur Führung von unterschiedlichen Mitarbeitertypen angewendet werden, aber auch zum besseren Schutz vor Burnout und wird bei der Berufsorientierung und Karriereplanung eingesetzt. In diesem Blog stelle ich exemplarisch den Antreiber "Sei perfekt!" vor. 

Sei perfekt!

Im Grunde steckt in jedem Menschen ein Perfektionist. Wir lernen schon in der Schule, dass von uns Leistung erwartet wird, wir werden mit Noten bewertet. Etwas besonders gut machen zu wollen, kann eine Reaktion auf diese Erwartungen sein.

Sei perfekt ist der Antreiber für alle, die nie gut genug sein können. Alles kann man besser machen, nichts macht zufrieden. Sei perfekt-Menschen können schlecht loslassen, weil sie Angst haben, einen Fehler zu machen. Sie nehmen sich zu viel vor und obwohl sie viel schaffen, erreichen sie ihre Ziele nicht. Ihr Anspruch an sich selbst und andere ist sehr hoch. Sei perfekt verspannt, macht unzufrieden. Aber: Sei perfekt hat Sie auch zu dem gemacht, was Sie sind. Ohne Ihre Antreiber würden Sie Ihren Job nicht so gut machen. Auf Sie kann man sich 100%-prozentig verlassen! Sei perfekt hilft beim Aufstieg auf die Karriereleiter.

Die Frage ist nur: Wollen Sie da auch wirklich hin? 

Was hilft gegen Perfektionismus?

Geben Sie sich die Erlaubnis, Fehler zu machen, setzen Sie sich realistische Ziele und beenden Sie eine weniger relevante Aufgabe auch mal bei 80 %. Denn Pareto hilft bei Perfektionismus: Das Paretoprinzip, benannt nach dem italienischen Wirtschaftweisen Vilfredo Pareto (1848-1923), auch Pareto-Effekt oder 80-zu-20-Regel genannt, besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden. Oder: 20 % der Krankenversicherten verursachen 80 % der Kosten. Oder: 20 % der Teilnehmer einer Besprechung beanspruchen 80 % Redeanteil. Oder: In relativ kurzer Zeit sieht die ppt-Präsentation schon ganz gut aus, um sie aber bis ins Detail perfekt fertig zu machen, dauert es noch richtig lange. Kennen Sie das?
Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen überdurchschnittlich viel Arbeit. Nach Pareto 80 %. Also einfach mal bei 80 % Ergebnis aufhören, dann spart man richtig viel wertvolle Zeit! Ich weiß, es ist schwierig auszuhalten, aber probieren Sie es einfach mal aus. Natürlich dort, wo Sie das Risiko als gering eingestuft haben und auch bei Sachen, wo Sie nicht persönlich für begeistern oder die weniger relevant für Sie sind.

Bewusster Umgang mit dem eigenen Antreiber

Also, erlauben Sie sich Fehler, kommen Sie mal unvorbereitet in eine Besprechung. Sie werden überrascht sein, dass die meisten Kollegen ohnehin kaum vorbereitet sind und dass wahrscheinlich keiner Ihren Fehler merkt (weil es nicht wichtig ist). Freuen Sie sich doch mal über die Note „gut“, auch wenn Sie eigentlich ein "sehr gut" anstreben oder die Tatsache, dass Sie sportlich halt nur im Mittelfeld liegen. Dafür haben Sie andere Stärken. Akzeptieren Sie aber Ihre Schwächen. Sonst wird aus einer Tugend eine Störung. 

Wenn aus einer Tugend eine Störung wird

Wer immer nur das Beste aus sich herausholen will, kann erfolgreich sein und bekommt Anerkennung. Oder liegt mit einem Burnout auf der Coach. Beide Wege sind möglich. Doch wie merke ich, wenn aus einer gesunden Portion Leistungsbereitschaft krankhafter Perfektionismus wird? Solange Sie nur das Beste erreichen möchten, aber sich selbst und anderen auch noch Fehler zugestehen, ist Perfektionismus kein Problem. Wenn Perfektionismus aber zur Last wird und Ihren Beziehungen mit anderen Menschen im Wege steht, dann wird es kritisch. Wenn andere Ihre hohen Erwartungen nicht erfüllen können und Sie nie Ihre Ziele erreichen, dann wird Perfektionismus zum Problem. Solche Menschen schauen auf den Mangel, nicht auf die Möglichkeiten. Suchen Fehler bei anderen. Können Erfolge nicht feiern. Reagieren nicht auf Lob ("ach, das ist doch mein Job!"). Daraus können sich Ängste entwickeln – vor Prüfungssituationen oder Präsentationen vor Publikum. Auch Prokrastination, das sogenannte Aufschiebeverhalten, ist typisch für Sei-perfekt-Menschen. Sie fangen erst gar nicht mit der Aufgabe an, weil sie schon vorher (unbewusst) wissen, dass sie sie nicht perfekt machen können. Und für sie gibt es oft auch einen Grund, warum etwas immer noch nicht gut genug ist, um es abzuschließen. Das Gefühl, nie fertig zu werden, belastet und macht unzufrieden. Das kann langfristig zu chronischem Stress führen, Beziehungen belasten und krank machen. 

Wege aus dem Perfektionismus

Neben Pareto hilft es, das eigenen Verhalten bewusst zu hinterfragen. Belastet mich der Perfektionismus oder spornt er mich an? Manchmal hilft es auch, zu überlegen, wie wichtig etwas rückblickend in einem Jahr noch sein wird. Oder in fünf Jahren. Und was mir dadurch an Lebensfreude und Lebenszeit entgangen ist. Das rückt die Dinge zurecht. Auch der Vergleich mit andern macht Perfektionisten unzufrieden mit ihrer Leistung. Stets finde ich einen, der es besser macht als ich, der schneller läuft oder analytischer denkt. Wenn ich schon vergleichen will, wie wär's denn damit: "Wo stehe ich heute und wo stand ich vor zwei, fünf oder zehn Jahren? Wie habe ich mich entwickelt?" Auf meine eigene Entwicklung darf ich stolz sein. Der Vergleich mit mir selbst zeigt mir, wie weit ich es schon gebracht habe. Vielleicht darf ich jetzt mal innenhalten, mal Pause machen, mir was gönnen? Aktive Erholung ist für Perfektionisten wichtig, planen Sie in Ihrem Arbeitsalltag auch Zeit für Entspannung und Regeneration ein. Fragen Sie sich: "Was kann ich aktiv tun und dabei zur Ruhe kommen?" Ist es Kochen, Sport, Meditation oder sich mal wieder mit Freunden treffen? Egal, was Ihnen gut tut, danach können Sie wieder voll durchstarten!

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